Der Bericht des Überprüfungsausschusses in der Wörgler Gemeinderatssitzung am 7. Oktober enthielt einiges an Brisanz. Im Mittelpunkt stand die Vergabe der Wäschereidienstleistungen des Seniorenheims, über die GR Herbert Pertl, Vorsitzender des Überprüfungsausschusses, berichtete.
Bis 2022 wurde die Wäsche direkt im Seniorenheim Wörgl gewaschen, danach wurden die Wäschereidienstleistungen ausgelagert. Seither übernimmt die Wörgler Firma Wischwerk GmbH die Abholung der Schmutzwäsche, deren Reinigung und die anschließende Rücklieferung ins Seniorenheim. Bei der Vergabe und Abrechnung dieser Leistungen stellte der Überprüfungsausschuss zahlreiche Unregelmäßigkeiten fest.
Fehlende Kontrollen
Laut Pertl konnte nicht festgestellt werden, warum die Wäschereidienstleistungen ursprünglich ausgelagert wurden. Zu Beginn erfolgten weder eine Ausschreibung noch die Einholung von Vergleichsangeboten. Ein Vertrag lag zwar vor, wurde jedoch nie unterschrieben. Zudem seien viele Unterlagen aufgrund von Personalwechseln nicht mehr vorhanden. „Die gesamten Vorgänge zeigen Versäumnisse bei der Auftragsvergabe und fehlende Kostenüberprüfung seitens des Seniorenheims, insbesondere bei der Überprüfung der Richtigkeit der Abrechnung“, fasste Pertl zusammen.
Auch bei den angefallenen Kosten stellte der Überprüfungsausschuss erhebliche Unregelmäßigkeiten fest. Die monatlichen Akontozahlungen wurden im Laufe des Jahres 2023 zunächst von € 10.000,- auf € 20.000,- und schließlich auf € 24.000,- brutto erhöht. Eine nachvollziehbare Begründung dafür habe nicht festgestellt werden können. Zudem seien doppelte Akontozahlungen eingefordert worden, obwohl monatliche Abrechnungen erfolgten. Budgetüberschreitungen wurden teilweise erst Monate nach den bereits geleisteten Zahlungen genehmigt. Dem Überprüfungsausschuss lagen außerdem keine Lieferscheine vor, anhand derer die Richtigkeit der Abrechnungen hätte kontrolliert werden können.
Volumen unter Ausschreibungsgrenze
Bgm. Michael Riedhart erklärte, dass das ursprüngliche Auftragsvolumen unter der Ausschreibungsgrenze gelegen sei. Erst durch zusätzliche Leistungen sei diese Grenze überschritten worden, weshalb schließlich eine Ausschreibung erfolgte. Der ursprüngliche Vertrag sei nie unterschrieben worden, die Beauftragung sei vermutlich mündlich erfolgt.
„Ohne jemanden etwas unterstellen zu wollen – so etwas darf in einer funktionierenden Gemeinde nicht passieren. Wir können uns auch nicht immer auf Personalwechsel hinausreden“, kritisiert StR. Christian Kovacevic. GR Patricia Kofler kritisierte, dass über drei Jahre Zahlungen geleistet worden seien, obwohl Budgetüberschreitungen erst Monate später genehmigt wurden. „Jahrelang war kein rechtskonformer Zustand da“, so Kofler. Sie stellte die Frage in den Raum, warum niemand im Stadtamt die Vorgänge hinterfragt habe. Es gehe um richtig viel Geld.
„Die Kosten haben sich fast vervierfacht. Das ist in einem Zeitraum passiert, wo die Bewohnerzahl von 134 Personen im Jahr 2022 auf 98 Personen Ende 2025 gefallen ist. Wenn man das in Relation sieht, ist das doppelt brisant“, legt GR Iris Kahn nach.
„Es war eine Schlamperei und der Stadtgemeinde Wörgl nicht würdig“, fasst GR Gabi Madersbacher zusammen.
Kuriose Kriterien
Im Jahr 2025 wurde der Auftrag mit einem Volumen von € 1,5 Mio. und einer Laufzeit von vier Jahren schließlich nach dem Bestbieterprinzip ausgeschrieben. Daraufhin ging nur ein Angebot ein – jenes der Firma Wischwerk GmbH.
Kahn kritisierte die Ausschreibung scharf: „Bei dieser Ausschreibung waren absurde Kriterien dabei. 20 Punkte gab es für die Bereitschaft zur Abholung öfter als drei Mal täglich. Und weitere 20 Punkte für eine Anlieferung innerhalb von drei Stunden. Schon fast lustig habe ich gefunden: 10 Punkte gab es für eine CO₂-neutrale Anlieferung auch mit dem Rad.“ Laut Kahn habe es aufgrund dieser Kriterien dann nur eine Bewerbung gegeben – genau von jener Firma, die den Auftrag ursprünglich ohne Ausschreibung erhalten hatte.
„Es hat wirklich Versäumnisse gegeben. Es ist nicht immer alles transparent ins Stadtamt gelangt. Vielleicht hat das seine Gründe, warum wir neue handelnde Akteure haben“, erklärt Riedhart abschließend.
