Die Debatte um die private Medizin-Universität in Wörgl gewinnt wirtschaftlichen Schwung. Bei einer Pressekonferenz am Mittwoch, 8. April, in der Bezirksstelle der Wirtschaftskammer Kufstein stellten Bezirksobfrau Sonja Altenburger und Sparkasse-Kufstein-Vorstandsdirektor Klaus Felderer die regionale Wertschöpfung in den Vordergrund.

Die Sigmund-Freud-Privatuniversität (SFU) aus Wien plant einen Medizin-Campus in Wörgl. Das Projekt ist noch in der Prüfphase, eine Machbarkeitsstudie läuft, die Standort-entscheidung steht noch aus. Der Campus soll privat finanziert werden und das öffentliche Ausbildungsangebot ergänzen. Im Startjahr (frühestestens 2028) sind 120 Studienplätze vorgesehen, im Vollausbau bis zu 1.400 Studierende.
„Allein die Ausgaben der Studierenden für Wohnen, Verpflegung und Mobilität erzeugen jährlich rund 17 Mio. Euro direkte Wertschöpfung in der Region“, sagte Altenburger. Die Schätzung basiert auf Erfahrungswerten vergleichbarer Privatunis. Zudem entstehe ein nachhaltiger Arbeitsmarkteffekt: Durch den „Klebeeffekt“ blieben bis zu 40 zusätzliche Mediziner pro Jahr in Tirol. Das Investitionsvolumen für Campus und Infrastruktur liege bei bis zu 100 Mio. Euro.
Für Felderer ist die Tragweite klar: „Der Status einer Universitätsstadt verändert Wörgl nachhaltig. Eine medizinische Uni im Zentrum bringt Leben, hochwertige Jobs und Investitionen.“ Altenburger ergänzte: „Ein Drittel der Ärzte ist über 55 Jahre alt, das sind 1.900 zu ersetzende Stellen. Bei Ärztemangel müssen wir gegensteuern. Ich verstehe nicht, welche Einwände es geben soll. Der Bezirk Kufstein spricht sich offen dafür aus.“ 
„Über 1.000 Studierende plus Lehrende und Verwaltung bedeuten Kaufkraft, Frequenz und Dynamik für den Standort“, betonte Felderer. Für eine Stadt wie Wörgl sei eine solche Chance selten: „Es wäre wirtschaftlich kaum nachvollziehbar, das Projekt nicht zu unterstützen.“

Appell vieler Bürgermeister
Die Bürgermeister von Wörgl (Michael Riedhart), Kufstein (Martin Krumschnabel), Kitzbühel (Klaus Winkler), St. Johann in Tirol (Stefan Seiwald)
und Jenbach (Dietmar Wallner) sprechen sich in einer gemeinsamen Erklärung dafür aus, die geplante Ansiedelung der Uni in Wörgl offen, sachlich und lösungsorientiert weiterzuverfolgen.
Die Bürgermeister appellieren daher an die Tiroler Landesregierung, das Projekt nicht aus einer engen Abwehrhaltung zu bewerten, sondern gemeinsam mit der Region und aktiv nach Lösungen zu suchen: „Wir sehen in diesem Vorhaben eine echte Chance für Tirol. Wenn in diesen Zeiten ein privater, anerkannter Akteur zusätzliche Ausbildungskapazität, Finanzierung und die Bereitschaft zu
Kooperationen mitbringt, dann muss das Land ernsthaft prüfen, wie daraus ein echter Mehrwert für die Bevölkerung entstehen kann. [...} Dieses Vorhaben für mehr medizinische Ausbildung kann einen Beitrag zur langfristigen Versorgungssicherheit im Tiroler Unterland leisten und zusätzliche Ausbildungskapazitäten für bereits jetzt schon dringend benötigte Ärzte schaffen. Wenn für einen möglichen SFU-Standort ab 2032 weitere Praxisplätze benötigt werden, dann muss es schaffbar sein, dies in den kommenden 6-7 Jahren zu organisieren.“

Auch LA Sebastian Kolland (VP) für Uni
Aus Sicht des Steuerzahlers mache die Ergänzung der öffentlichen Ausbildung durch private Initiativen für LA Sebastian Kolland Sinn: „Die Ausbildung eines Arztes an einer öffentlichen Uni kostet rund eine halbe Million Euro. Studierende an Privatuniversitäten finanzieren sich ihre theoretische Ausbildung hingegen durch Gebühren komplett selbst.“ Klar sei für den Unterländer Abgeordneten aber auch, dass offene Fragen und Bedenken ebenfalls sauber diskutiert werden müssten.


V. l.: Wirtschaftskammer-Bezirksobfrau Sonja Altenburger und Sparkassen-Vorstandsdirektor Klaus Felderer sprachen sich klar für das Uni-Projekt der Sigmund-Freud-Privatuniversität in Wörgl aus.