Bereits im Juli 2025 präsentierte Bgm. Michael Riedhart (Wörgl Bewegen, ÖVP) konkrete Pläne für ein Regionalbad in der Johann-Federer-Straße in Wörgl. Am Montag, 4. Mai, wurde nun eine komplett überarbeitete Variante vorgestellt. Vier Tage zuvor beschloss der Gemeinderat mit 13:8 Stimmen – trotz scharfer Kritik einiger Mandatare – das Finanzierungskonzept, die Einbringung der erforderlichen Errichtungskosten sowie die Abdeckung allfälliger laufender Betriebsabgänge.
Gemeinsam mit Stadtbaumeister Dipl.-Ing. Juri Nindl (Geschäftsführer Wörgl Schwimmbad GmbH), Bäderbeirat Obmann Ersatz-GR Andreas Schmidt (ehem. Liste Hedi Wechner) und GR Christopher Lentsch (FWL) präsentierte Riedhart wiederum konkrete Pläne für das „Wörgler Badl“.
Im Hallenbad sind vier 25-m- Bahnen für Schul- und Sportschwimmen sowie ein Lernschwimmbecken geplant. 120 Schulklassen aus Wörgl und den Umlandgemeinden sollen davon profitieren. Die Saunalandschaft im Obergeschoss ist für 150 Personen ausgelegt und soll – u. a. mit einem Dampfbad, einer Aufguss- sowie einer Außensauna, einem großzügigen Liegebereich, einem Tauchbecken und einer Lounge samt Terrasse – qualitativ hochwertig ausgestattet werden.
Im Freibereich sind ein Sportbecken mit sechs 25-m-Bahnen, ein Nichtschwimmerbecken samt Wasserrutsche, ein Sprungbecken und ein Kinderbecken vorgesehen. Ergänzt wird das Freibad mit einer 8.200 m2 großen Liegefläche, Sport- und Spielzonen und einem Kiosk mit rund 150 Sitzplätzen. Dazu wird ein Parkhaus mit 150 PKW-Stellplätzen errichtet. „Wir sind mit unseren Planungen fertig und haben das Projekt bereits beim Bäderbeirat des Landes Tirol eingereicht“, freut sich Riedhart. Ende Mai soll dieser tagen und das Projekt beurteilen.
Finanzierung
Die Errichtungskosten für das Freibad, die Sauna, den Indoorbereich, das Parkhaus sowie den Gastrobereich belaufen sich laut Finanzierungskonzept auf € 27,5 Mio. Vorgesehen ist eine Fördersumme von knapp € 14 Mio. – diese soll zum Großteil aus Mitteln der Bäderförderung vom Land Tirol mit einer Förderquote von 55 % kommen. Mitzahlen sollen auch Tourismusverbände (€ 3 Mio.) sowie der Bund (€ 1,1 Mio.).
Die Restkosten – lt. Riedhart zwischen neun und zehn Millionen Euro – sollen von der Stadt Wörgl mittels Kredit finanziert werden. Die jährliche Belastung in Höhe von ca. € 565.000,- stelle laut Konzept jedoch keine zusätzliche Belastung für die Stadt Wörgl dar: Die Gegenfinanzierung soll aus der Vergabe von Baurechten auf dem ehemaligen Wave-Areal erfolgen. Kalkuliert werden hierfür jährliche Einnahmen von knapp € 700.000,-.
Jährlicher Abgang
Ebenfalls kalkuliert ist ein jährlicher Abgang in der Höhe von ca. € 500.000,-. Darin enthalten sind bereits die jährlich zu bezahlenden Grundstückskosten (Pachtzins) über € 253.776,-. Ebenfalls ein Teil der Kalkulation ist ein jährlicher Betriebsbeitrag in der Höhe von € 200.000,-. Abgegolten werden soll dieser pauschal durch die Stadt Wörgl sowie den Umlandgemeinden – berechnet durch die Schüleranzahl der jeweiligen Volksschulen der teilnehmenden Gemeinden.
Scharfe Kritik im Gemeinderat
Laut Riedhart gibt es von der Tiroler Landesregierung (LH Anton Mattle sowie LH-Stv. Philip Wohlgemuth) eine Finanzierungszusage im Rahmen der Bäderförderung (55 %) für das Gesamtprojekt inkl. dem Freibad. Ausgenommen davon sei nur der Kiosk.
„Wir übernehmen laut Beschluss alle Kosten, welche nicht von Förderungen abgedeckt werden. Es macht einen großen Unterschied, ob wir sagen, dass wir uns mit € 10 Mio., € 15 Mio. oder 20 Mio. beteiligen. Das kann man zum heutigen Zeitpunkt überhaupt nicht sagen“, warnt Christian Kovacevic (Liste Hedi Wechner) vor explodierenden Kosten. Der Stadtrat plädiert dafür, zuerst alle Förderzusagen einzuholen. „Das einzige, was wir momentan schriftlich haben, ist das Baurecht über 6.200 m2. Alles andere ist mündlich. Bei so einem Projekt mit so viel Geld ist mir das Risiko zu groß“, verweigert auch GR Hubert Werlberger (Wörgl Bewegen, ÖVP) seine Zustimmung. „Für meine Entscheidung braucht es eine vollständig abgesicherte und transparente Grundlage. (...) Ich sehe ein erhebliches Risiko für die Stadtgemeinde Wörgl“, sagt StR. Elisabeth Werlberger (Wörgl Bewegen, ÖVP).
Scharfe Kritik in Richtung Riedhart kommt auch von GR Patricia Kofler (Wir für Wörgl): „Du willst von uns einen Blankoscheck sowie eine Auslagerung in die Wergel AG, um dem Gemeinderat die Kontrolle zu entziehen.“ Kofler gibt zu bedenken, dass laut Förderungsrichtlinien nur der Indoorbereich und die Sauna gefördert werden. Daraus würde sich eine mögliche Fördersumme von € 8,9 Mio anstatt € 14 Mio. ergeben. „Unter dem Strich ergibt sich – wenn man diese beiden Bereiche herausrechnet – ein Kreditvolumen von knapp € 15 Mio., welches die Stadt zu tragen hat. Das ist dann eine andere Rechnung“, so Kofler. „Ich glaube, dass manche das Projekt nicht wollen“, wirft Vize-Bgm. Kayahan Kaya einigen Mandataren eine Verzögerungstaktik vor.
Wave-Abriss
Inzwischen hat der Abriss des Wave bereits begonnen. Die Altlasten (€ 4,98 Mio., Stand 31. Dezember 2025) müssen von der Stadt Wörgl noch abbezahlt werden.
Präsentierten das neue Projekt: GR Christopher Lentsch, Bgm. Michael Riedhart, Ersatz-GR Andreas Schmidt sowie Stadtbaumeister Dipl.-Ing. Juri Nindl (v. l.)
Das Hallenbad umfasst ein Sportbecken sowie ein Lernschwimm-becken.
Visualisierung: Architekturbüro Haselsberger
