Das Stadttheater Kufstein feierte am 19. Juni im Festungsneuhof die Premiere seiner Kufsteiner „Jedermann“-Version – bereits zum vierten Mal unter der Regie von Klaus Reitberger. Die besondere Stärke der Inszenierung liegt erneut in der Verbindung aus eindrucksvollem Spielort, geschlossenem Ensemble und einer zeitgemäßen Lesart von Hofmannsthals Klassiker.
Im Zentrum steht diesmal Frau Jedermann, überzeugend gespielt von Karolina Astl. Die weibliche Perspektive eröffnet neue Blickwinkel auf Macht, Besitz und Verantwortung, ohne den Kern der Vorlage zu verlieren. Über 35 Mitwirkende sorgen für eine dichte, lebendige Bühnenpräsenz.
Die Inszenierung setzt bewusst moderne Akzente, etwa durch humorvolle Gegenwartsbezüge und eine überzeichnete Partyszene, die den moralischen Verfall sichtbar macht. Gleichzeitig bleiben die zentralen Themen unverändert: Vergänglichkeit, Schuld und die Frage, was am Ende zählt.
Der Wendepunkt kommt mit dem Auftritt des Todes, der Frau Jedermann eine letzte Frist setzt. In der Folge zerbrechen Beziehungen, Besitz verliert seinen Wert – erst die „Werke“ weisen den Weg zur Erkenntnis.
Auch das Wetter spielte bei der Premiere mit: Ein aufziehendes Gewitter verstärkte die Dramaturgie, der Regen setzte erst nach dem Schlussapplaus ein. Das Publikum dankte mit Standing Ovations.
Weitere Aufführungen: 25. und 28. Juni sowie am 2., 3., 5., 9., 10., 12., 16. und 19. Juli Juli im Festungsneuhof Kufstein. Tickets online und bei der Raiffeisenbezirksbank Kufstein.
Das Stadttheater Kufstein feierte mit „Jedermann“ Premiere in Festungsneuhof.
Foto: Gattringer
