Mit der steigenden Zahl der in Österreich ankommenden Flüchtlingen steigt auch die Angst in der Bevölkerung. Dabei handelt es sich aber in erster Linie um die Angst vom Unbekannten. Je nachdem, wie man rechnet, ist es die siebte große Flüchtlingswelle, die Österreich seit dem zweiten Weltkrieg erlebt.

195 Asylbewerber und Flüchtlinge sind zurzeit im Zelt in Kufstein untergebracht und warten darauf, in geeignete Unterkünfte untergebracht zu werden (Stand Redaktionsschluss Montag). Eigentlich wären diese Zelte  als Zwischenlösung für Flüchtlinge gedacht gewesen. Einige der Asylwerber wurden mit falschen Versprechungen nach Kufstein gebracht, wie Einzelgespräche vor Ort zeigten. In der Stadt Kufstein sind seit Jahren zwischen 80 und 100 Asylwerber untergebracht. Aktuell sind es 82  in den dafür vorgesehenen Wohnungen. Im gesamten Bezirk sind 340 Asylwerber (ohne Zelte) einquartiert. Auffälligkeiten gab es noch keine, weder in den Zelten, noch in den Wohnungen.

Tiroler Soziale Dienste
„Asylanten werden oft mit der Marokkaner-Szene in einen Topf geworfen,“ weiß Mag. Dr. Georg Mackner von der Tiroler Soziale Dienste GmbH. Seit Anfang des Jahres ist diese Einrichtung auch für die Unterbringung der Asylwerber zuständig. In den letzten Monaten hat man erst viel dazulernen müssen. Inzwischen läuft die Suche nach Unterkünften immer nach dem gleichen Schema ab: Zuerst wird ein entsprechendes Objekt gesucht, dann wird mit dem Bürgermeister und dem Gemeinderat gesprochen.  Abschließend gibt es eine öffentliche Versammlung, um alle Fragen aus der Bevölkerung zu klären. „Der Widerstand wird zunehmend weniger. Unser bestes Argument an die jeweiligen Bürgermeister ist: Sprich mit deinen Kollegen, wo bereits Asylwerber untergebracht sind,“ so Mackner. Dabei ist der richtige Zeitpunkt zu informieren nicht einfach zu bestimmen. Wie das Beispiel Wörgl zeigt. Großer Unmut zeigte sich in der Nachbarschaft, als bekannt wurde, dass Asylwerber in den Ortsteil Bruckhäusl untergebracht werden sollen. Zwischenzeitlich gab es sogar einen Umbaustopp von der Stadt, da nicht alle Auflagen erfüllt wurden. Mackner: „Wir können natürlich erst dann informieren, wenn alles geklärt ist.“ Wenn, wie in Wörgl, die Pläne vorher bekannt werden, ist Ärger vorprogrammiert. Inzwischen ist das Haus bewohnt, die Lage hat sich beruhigt. Auch an der Unterkunft im Badl-Areal sind die Tiroler Soziale Dienste interessiert, aber „... vorher muss der Betreiber erst die Möglichkeit dafür schaffen.“

32 % der Anträge positiv
Derzeit werden pro Tag zwischen 300 und 500 Asylanträge gestellt. Das Bundesministerium geht davon aus, dass dieses Jahr 80.000 Asylanträge gestellt werden. 52.000 Menschen sind derzeit österreichweit in der Grundversorgung. 32 % aller Verfahren erhalten einen positiven Bescheid, ca. 2/3 der Anträge werden abgelehnt und die Asylwerber ausgewiesen. Der Bescheid hängt nicht immer vom Herkunftsland ab, so gibt es z. B. auch in Afghanistan und dem Irak sichere Regionen.

 

Die Familie Johal vom Kufsteiner Restaurant Bombay spendierte das Abendessen im Asylzelt.