In den städtischen Kindergärten und Kinderkrippen in Wörgl werden derzeit 451 Kinder betreut. Für 237 von ihnen – rund 53 Prozent – ist Deutsch nicht die Muttersprache. Ein Sprachförderprojekt soll dazu beitragen, die sprachliche Entwicklung der Kinder gezielt zu unterstützen und schlussendlich gleiche Bildungschancen zu ermöglichen.
Die steigende Zahl von Kindern, die vor dem Eintritt in die Volksschule den verpflichtenden Deutschtest nicht bestanden haben, war für die Stadt Wörgl 2023 der Anlass, die Sprachförderung neu auszurichten. Daraufhin wurde gemeinsam mit der Dipl. Pädagogin Ute Preiss von der Waterkant Academy 2024 ein gemeinsames Sprachbildungskonzept für Kinderkrippen, Kindergärten und Volksschulen erarbeitet. Es setzt auf Sprachbildung im gesamten Alltag: Beim Spielen, Forschen und Gestalten werden die sprachlichen Fähigkeiten der Kinder gezielt gefördert. Zugleich werden die Maßnahmen der Einrichtungen aufeinander abgestimmt und die Übergänge von der Kinderkrippe in den Kindergarten und weiter in die Volksschule gemeinsam gestaltet. Für die Organisation, Koordination und Steuerung des Projekts wurde ein Kernteam gebildet, dem Astrid Ellmerer und Susanne Molterer-Kostenzer (Kindergartenkoordinatorin der Stadt Wörgl), Peter Warbanoff (Verein komm!unity), Vize-Bgm. Kayahan Kaya sowie Ute Preiss als Prozessbegleiterin angehören.
Sprachförderung im Alltag
„Wir wollen, dass unsere Kinder so schnell wie möglich Deutsch lernen. Dafür wurde in den letzten beiden Jahren bereits sehr intensiv gearbeitet“, erklärt Vize-Bgm. Kayahan Kaya.
Zum Projektstart wurde eine Ist-Stand-Analyse in allen Kindergärten und -krippen sowie Volksschulen durchgeführt. Darauf folgten mehr als 20 Weiterbildungsveranstaltungen mit pädagogischen Fachkräften und Eltern sowie zahlreiche individuelle Beratungen. Die Fachkräfte erhielten dabei auch Methoden für die Arbeit mit ihren Teams. Je nach Bildungseinrichtung wurden unter anderem Ateliers, Bau- und Konstruktionswerkstätten, Rollenspielbereiche sowie Holz- und Schreibwerkstätten eingerichtet. Auch eine Poststation wurde integriert. Die Werkstätten greifen die Interessen der Kinder auf und fördern beim gemeinsamen Spielen und Ausprobieren unter anderem ihre sprachlichen und mathematischen Fähigkeiten. Für die Zukunft ist zudem ein Sprachkurs für Jugendliche geplant. „Sprache ist eine der Gundlagen der Bildung. Deswegen profitieren wir als Volksschule besonders von diesem Projekt“, erklärt Reinhard Angerer. Der Volksschuldirektor appelliert auch an die Eltern, die sprachliche Entwicklung ihrer Kinder aktiv zu unterstützen.
„Die Sprache ist das Fundament für das weitere Leben. Wir wollen nicht, dass ein Kind aufgrund seiner sprachlichen Fähigkeiten in seiner Entwicklung oder später im Berufsleben eingeschränkt wird“, sagt Bgm. Michael Riedhart.
Die Projektkosten für das Sprachförderkonzept belaufen sich auf € 163.000,-. Darin enthalten sind neben den Personalkosten für zusätzliche Fachkräfte für Sprachförderung auch die Projektbegleitung und zusätzliche Angebote über komm!unity als externen Partner.
